Eindrücke aus Jamcate April 2013 - Annegret Laporte

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Mein Mann Detlef und ich besuchten im April 2013 meine Tochter Anika in Cajamarca. Natürlich wollten wir etwas länger bleiben, um die Schule in Jamcate kennenzulernen und uns auch dort ein bisschen nützlich zu machen.

Anika arrangierte eine Mitfahrgelegenheit für uns in Marcos  Minibus, der eigentlich für  9 Leute ausgelegt ist, in dem aber durchaus 14 Leute mit ein bisschen Zusammenrücken mitfuhren. Neben den vielen Passagieren wurden noch Baumaterialien und Lebensmittel für die Kinder transportiert. Marco ist übrigens der Direktor in Jamcate.

Auf  schlechter Wegstrecke ging es mit sehr langsamem Tempo  über  eine Stunde (für eine Entfernung von nur 20km) nach Jamcate. Die Höhendifferenz zwischen Cajamarca und Jamcate beträgt ungefähr 1000m, wobei Cajamarca schon auf 2800m Höhe liegt.

Also für uns Flachländler aus Hamburg machte sich die dünne Luft spätestens jetzt  bemerkbar, als Detlef mit den Jungs Fußball spielte und ich mit 3 kleinen Mädchen die Hänge rauf und runter laufen musste, weil sie mich bei der Hand genommen hatten und einfach mitzogen.

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Aber nun einige Eindrücke aus  Jamcate.

Die Kinder kamen aus allen Richtungen aus den Bergen zu Fuß in der Schule.

Auch wenn Jamcate ein Dorf ist, liegen die einzelnen Häuser weit verstreut auseinander.

Einige Kinder hatten einen Schulweg von über einer Stunde zu bewältigen.

Die Jüngsten waren 4, die Älteste 14 Jahre alt. In Jamcate gibt es eine Kindergartengruppe und 4 Schulklassen.

Morgens ist es  kalt  in den Bergen. Als wir dort waren, zeigte das Thermometer gerade mal 5 Grad plus. Aber es kann durchaus auch kälter sein. Die Jungen hatten fast alle feste Schuhe an, die Füße der Mädchen steckten meist barfuß in Gummischlappen.

Die Kinder waren scheu, aber gleichzeitig auch neugierig.

Anika stellte uns als ihre Eltern vor und danach überwog  die Neugier.

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Wir tranken zuerst mit den Lehrern einen Instantkaffee  im „Lehrerzimmer“, einem unvorstellbar einfachen, fensterlosen kleinen Raum: ein Kindertisch, 4 Kinderstühle.

Der Raum wurde gleichzeitig als Abstellraum genutzt,  für große Mengen Instantmilch, die dort für die Kinder gelagert wurde. Außerdem standen die großen Kochtöpfe der Mütter, die mittags auf offenem Feuer das Essen für die Schüler kochten, in einer Ecke. Alles was irgendwie Wert hatte, wurde im Lehrerzimmer aufbewahrt und außerhalb der Schulzeiten eingeschlossen.

Zum Frühstück legte jeder in der Runde  etwas kleines Essbares auf den Tisch, dann wurde alles miteinander geteilt. Die Atmosphäre war freundlich und offen. Da Detlef und ich leider nicht Spanisch sprechen, fungierte Anika pausenlos als Dolmetscher.

Um  9 Uhrbegann der Unterricht. Die Lehrer unterrichteten sehr unterschiedlich, auch die Länge einer Schulstunde unterschied sich individuell von Lehrer zu Lehrer,  sodass immer wieder Kinderköpfe in den Klassentüren auftauchten und uns bei unseren Hilfsarbeiten zuschauten.

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Wir strichen Tische für die Bibliothek rot an und putzen die Fenster des „Museo del ninjo“

Dieses kleine Museum beeindruckte uns sehr: alles war so ordentlich, fantasievoll und liebevoll präsentiert und mit Hilfe von Fachleuten, die extra aus Cajamarca gekommen waren, beschriftet.

Schade, dass bisher keine Touristen kamen, um „ Das Museum der Kinder“ zu bewundern, aber das wird hoffentlich noch passieren.

In der langen Pause, die  alle Kinder gleichzeitig hatten, wurde gespielt und getobt. Mich rührte es an,  mit wie wenig die Kinder hier glücklich waren, ein Ball, ein großes Springseil, Kriegen und Versteck spielen, 2 ältere Mädchen , die sich eine Decke über den Kopf zogen und einfach nur miteinander tuschelten um Geheimnisse auszutauschen. Was für ein kommunikatives, intensives Miteinander,  im Gegensatz zu unseren europäischen Schulkindern, die mit ihrem Handy in der Ecke rumstehen und „simsen“ oder surfen.

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In der Pause bestand auch die Möglichkeit, die Schulbibliothek zu nutzen.

Diese kleine Bibliothek, die noch in den Anfängen steckte, fand großen Anklang bei den Kindern. Sie sind neugierig und wissbegierig, haben aber auf Grund ihrer Lebensumstände keinen Zugang zu Büchern. Sie freuen sich, Bücher mit nach Hause nehmen zu können und darin zu schmökern. Dabei behandeln sie „ihre Schätze“ sehr sorgfältig.

Die große Pause verflog im Nu und es folgte noch eine kleinere Unterrichtseinheit, bis es dann das von den Müttern auf offenem Feuer zubereitete Mittagessen gab. (nach unserer Heimreise bauten die Väter eine geräumige Schulküche, wo die Mütter auf einer Feuerstelle kochen und die Kinder an Tischen und Bänken essen können)

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Die Rückfahrt nach Cajamarca war durch Hitze und Staub geprägt. Ich musste dabei an die Lehrer denken, die jeden Tag diese Strapazen auf sich nehmen, um in Jamcate zu unterrichten. Respekt.

Soweit zu einigen Eindrücken, die wir in Jamcate sammeln durften.

Wir blieben 8 Tage in Cajamarca und fuhren mehrmals nach Jamcate hoch.

Die Kinder wuchsen uns ans Herz und wir hatten trotz der unterschiedlichen Sprachen viel Spaß miteinander. Die nonverbale Kommunikation klappte hervorragend.

Wir kamen mit nur einem Wunsch zurück nach Hamburg: wir wollten weiter etwas für diese  fröhlichen, beeindruckenden  Kinder aus Chetilla tun.

Die Armut dort ist sichtbar, die Fehlernährung auch, aber menschlich können wir eine Menge von den Bewohnern Chetillas lernen.